Liebe Eltern,

Sie wünschen sich Anregungen rund um die Berufsorientierung Ihrer Kinder und haben deshalb diesen Newsletter abonniert. 

Ich bin Anja Greis. Sie kennen mich bestimmt von einem unserer digitalen Elternabende zur Berufswahl. In dieser Ausgabe geht es um aktuelle Abschlüsse in Deutschland. Ihr Kind strebt eine Ausbildung an? Ach nein, doch lieber ein Studium? Wir verschaffen Ihnen einen Überblick über die wichtigsten beruflichen und akademischen Möglichkeiten.

Und weil praktische Erfahrungen immer hilfreich sind, nutzen wir Ihre Aufmerksamkeit, um sie auf unsere bundesweiten parentum – Berufswahlmessen für Eltern+Jugendliche hinzuweisen. Hier können Sie im persönlichen Gespräch an den Ständen der Betriebe und Hochschulen ganz unterschiedliche Ausbildungs- und Studienwege kennenlernen. Und dadurch Ihr Kind in der Entscheidungsphase begleiten, welcher Abschluss
am besten passt. 

Ob am 29. August in Magdeburg, am 25. September in Kiel, am 17. Oktober in Regensburg oder ... – wir freuen uns auf Ihren Besuch und Ihr Feedback!

 

Zu den Messeterminen

In unserem Überblick finden Sie in den folgenden Abschnitten kompakte Infos zu Abschlüssen in Ausbildung und Studium. Suchen Sie sich einfach das aus, was für Sie und Ihr Kind interessant sein könnte. Viel Spaß beim Entdecken!

A. Die Berufsausbildung – anerkannte Abschlüsse

Ihr Kind hat sich für eine Ausbildung entschieden? Herzlichen Glückwunsch! Es möchte Flugbegleiter oder Yogalehrerin, Make-up-Artist oder Tierheilpraktiker werden? Klingt gut, nur ist keine dieser Ausbildungen staatlich anerkannt. 

In einigen Branchen reichen zwar Schulung und Können (Kosmetik, Luftfahrt) und manche (digitale) Berufe sind so neu, dass es noch keine einheitliche Regelung gibt – doch eine offizielle Anerkennung überzeugt durch viele Vorteile.

In Deutschland gibt es rund 330 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe, die eine einheitliche duale Ausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) garantieren. Gut zu wissen: Das duale System made in Germany, welches Theorie (Berufsschule) und Praxis (Betrieb) kombiniert, ist nicht nur bei vielen deutschen Firmen, sondern auch international sehr gefragt. 

Darüber hinaus kann Ihre Tochter oder Ihr Sohn aus zahlreichen anerkannten schulischen Ausbildungen wählen.

Ein Überblick über die staatlich anerkannten Abschlüsse.

Diese anerkannten Abschlüsse werden meist von der Handwerkskammer HWK oder der Industrie- und Handelskammer (IHK) geprüft. Die duale Ausbildung dauert in der Regel 2 bis 3,5 Jahre.

  • Wenn Ihr Kind eher praktisch veranlagt ist, ist eine Ausbildung im Handwerk eine gute Idee. Zur Wahl stehen rund 130 Ausbildungen wie Friseur/in oder Schreiner/in sowie aktuell rund 120.000 freie Stellen! Ein Geselle / eine Gesellin ist ein/e ausgebildete/r Handwerker/in, der/die die Gesellenprüfung erfolgreich bestanden hat. Bei guten Noten kann mit dem Gesellenbrief auch der mittlere Schulabschluss anerkannt werden.
     
  • Facharbeiter/innen finden sich oft in gewerblich-technischen Berufen wie Anlagenmechaniker/in oder Mechatroniker/in. Nach bestandener Prüfung erhalten Absolventinnen und Absolventen ein Zeugnis bzw. einen Facharbeiterbrief.
     
  • Kaufmann/-frau in einem anerkannten Ausbildungsberuf: Kaufleute im Einzelhandel benötigen meist nur einen Hauptschulabschluss, während für Kaufleute im Büromanagement meist der Mittlere Schulabschluss und für Bankkaufleute mitunter sogar das (Fach-)Abi förderlich sind.

Ihr Kind möchte Webdesigner oder Ergotherapeutin werden, mit Kindern oder im Labor arbeiten? Für einige Berufe (z. B. im Gesundheits- und Sozialwesen, im kreativen oder fremdsprachlichen Bereich) gibt es keine klassische duale Ausbildung. Sie werden meist an (teils privaten) Berufsfachschulen oder Fachschulen erlernt. 

Dauer: 2 bis 3 Jahre. Die praktische Ausbildung wird ggf. über Praktika abgedeckt. Typische Berufe sind Erzieher/in, Sozialassistent/in oder Pharmazeutisch-technische/r Assistent/in (PTA).

Nicht jetzt, sondern (über-)morgen: Auch wenn der Ausbildungsberuf vielleicht noch nicht mal feststeht, sollte man die Perspektiven einer abgeschlossenen staatlichen Ausbildung kennen. Denn Ihr Kind kann sich später weiterbilden und höhere Positionen übernehmen. 

Bekannte Abschlüsse sind: Meister/in, Betriebswirt/in oder Staatlich geprüfte/r Techniker/in.

B. Bachelor auch ohne Hörsaal

Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung

Das ist doch mal was! 2020 wurden die (nicht akademischen) Titel „Bachelor Professional“ und „Master-Professional“, auch „Berufsbachelor“ und „Berufsmaster“ genannt, eingeführt. 

Diese praxisorientierten Abschlüsse der Aufstiegsfortbildung werden von den Industrie- und Handelskammern (IHK) und den Handwerkskammern nach bestandener Prüfung vergeben. Somit können junge Menschen auch ganz ohne Studium höhere Qualifikationen erreichen.

Der Bachelor Professional liegt auf dem Niveau des akademischen Bachelor. Diesen Titel tragen Meister/innen und Fachwirt/innen. 

Der Master Professional ist dem Uni-Master gleichgestellt und entspricht der Fortbildung etwa zum/zur Geprüften Betriebswirt/in (IHK) oder dem Titel Berufspädagoge/Berufspädagogin.

Eine umfassende Übersicht über die Niveaus der deutschen Ausbildungsabschlüsse bietet die Internetseite zum Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR).

C. Der akademische Weg – die Studienabschlüsse

Von B. A. bis M. Ed. – was hinter den Abkürzungen steckt

Die gängigen Studienabschlüsse Bachelor und Master erleichtern das europaweite Studieren und Arbeiten. Doch auch der Magister und das Diplom, die klassischen akademischen Grade bis zur Bologna-Reform 1999, werden mitunter heute noch vergeben. 

Ein Überblick über die wichtigsten akademischen Abschlüsse.

Nach 6 bis 8 Semestern und einer erfolgreichen Abschlussarbeit (Thesis) erhalten Absolventinnen und Absolventen den ersten berufsqualifizierenden Abschluss (ersten akademischen Grad). 

Das Studium ist in Module unterteilt, für die es Leistungspunkte gibt (180 bis 240 sogenannte ECTS-(European Credit Transfer System)-Punkte

Reicht der Bachelor? Jein. In vielen Branchen, insbesondere im Bereich MINT, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik, hat er sich als Abschluss etabliert. 

In den Sprach- oder Geisteswissenschaften, der Psychotherapie oder im höheren Verwaltungsdienst ist jedoch meist der Master nötig. Und: Gehalt und Aufstiegschancen können beim Bachelor-Grad niedriger sein. 

In Deutschland werden sieben verschiedene Abschlussbezeichnungen für den akademischen Bachelorabschluss je nach Studienrichtungen verwendet:

  • B. A. (Bachelor of Arts ): z. B. Geschichte, Soziologie
    Die Absolvent/innen arbeiten in Bereichen wie Kulturmanagement, Bildung oder Kommunikation.
     
  • B. Sc. (Bachelor of Science): z. B. Mathematik, Informatik, Physik
    Es warten Jobs in der Forschung oder Technologieentwicklung.
     
  • B. Eng. (Bachelor of Engineering): z. B. Elektrotechnik, Maschinenbau
    Der Abschluss befähigt u. a. für technische Projekte in der Industrie.
     
  • LL. B. (Bachelor of Laws): z. B. Wirtschaftsrecht, Rechtswissenschaften
    Anschließend kann man z. B. in der rechtlichen Beratung tägig sein, nicht aber als Volljurist/in wie Anwalt oder Staatsanwältin.
     
  • B. F. B. (Bachelor of Fine Arts): z. B. Grafikdesign, Schauspiel
    Er befähigt für viele kreative Berufe wie in der Kunst oder am Theater.
     
  • B. Mus. (Bachelor of Music): z. B. Popmusik, Musik und Sounddesign
    Nach dem Studium geht es auf oder hinter die Bühne.
     
  • B. Ed. (Bachelor of Education): z. B. Lehramt Grundschule, Sekundarstufe, Sonderpädagogik
    Der Abschluss qualifiziert meist nur für pädagogische Tätigkeiten; für die volle Ausübung des Lehrerberufs benötigt es Master und Referendariat.

Wer einen langen Atem hat, macht nach dem Bachelor den Master, um sich zu spezialisieren. Auch er gliedert sich in Module auf, die Regelstudienzeit beträgt 2 bis 4 Semester (90–120 ECTS). 

Der Master befähigt zur Promotion, also zum Erlangen des Doktortitels. Er entspricht dem früheren Diplom. 

So wie beim Bachelor werden auch beim Master je nach Fachgebiet unterschiedliche Abschlussbezeichnungen vergeben. Die sieben gängigsten Mastergrade (siehe auch unter Bachelor) sind: 

  • M. A. (Master of Arts)
     
  • M. Sc. (Master of Science)
     
  • M. Eng. (Master of Engineering)
     
  • LL. M. (Master of Laws) – er ist die Eintrittskarte für das Steuer- oder Wirtschaftsrecht 
     
  • M. F. A. (Master of Fine Arts)
     
  • M. Mus. (Master of Music)
     
  • M. Ed. (Master of Education) – er berechtigt zum Ausüben des Lehramts

Der klassische Magister wurde an vielen Hochschulen durch den Master ersetzt. Er zeichnet sich durch eine größere Freiheit bei der Wahl der Fächer und damit des späteren Arbeitsgebiets aus (z. B. Medien und Bildungseinrichtungen). 

Die Regelstudienzeit beträgt neun Semester. Die bestandene Magisterprüfung berechtigt zum Titel M. A. (Magister/Magistra Artium). Dieser ist nur in Deutschland anerkannt, im Anschluss kann auch der Doktortitel erlangt werden.

Das Diplom ist ein akademischer Grad. Er ist mit dem Titel „Dipl." verbunden, dem die Fachrichtung angehängt wird wie „Dipl.-Ing." für den Diplom-Ingenieur. 

Das größtenteils verdrängte Diplom-Studium unterteilt sich in Grundstudium, Vordiplom sowie Hauptstudium und endet mit Diplomarbeit und Diplomprüfung. 

Noch heute ist das klassische Diplom für einige Hochschulen eine besondere Auszeichnung (und auch Statussymbol) und mitunter insbesondere für angehende Juristinnen und Ärzte erforderlich. 

Je nach Bundesland ist beim Lehramtsstudium das Diplom oder der Master gewünscht.

Wenn Ihr Kind einen Beruf unter staatlicher Aufsicht wie Medizin, Jura, Lehramt oder Pharmazie anstrebt, kommt es am Staatsexamen nicht vorbei. 

Es ist kein akademischer Grad (wie Bachelor, Master oder Diplom), sondern ein Abschluss, der von einer staatlichen Behörde (wie Kultusministerium oder Landesjustizprüfungsamt) und nicht von einer Hochschule abgenommen wird. 

Mit dem ersten Staatsexamen schließt man das theoretische Hochschulstudium ab. Das zweite Staatsexamen schließt die praktische Ausbildung im Referendariat ab und wird als gleichwertig zum Master, teilweise sogar als höherwertig angesehen.

Jeder Abschluss wird Ihr Kind weiterbringen – und muss nicht immer der letzte sein. Was zählt, sind Erfahrung, Durchhaltevermögen und Leidenschaft. 

Inspirationen für die berufliche Orientierung finden Sie auf unserer Webseite vocatium.de. Das vocatium magazin stellt viele Berufswelten vor wie beispielsweise Berufe mit Zukunft. Weitere Entscheidungshilfen für den passenden Ausbildungs- oder Studienweg vermitteln die persönlichen Geschichten von Azubis und dual Studierenden

Viel Spaß beim weiteren Lesen und Begleiten!